(GRENZ-ECHO)

Die erste Meldung von dem Verbrechen wurde durch einen Feldhüter gemacht, der darüber berichtet: 

"Ich war in einiger Entfernung von der Stelle, wo die von Elsenborn nach Kalterherberg führende Landstraße etwa 2 Kilometer von der Grenze abbiegt. Auf der einen Stelle steigt das Gelände zu einer waldigen Höhe an, auf der anderen liegen gleichhohe Wälder und die Eisenbahnstrecke entlang der Roer. Als ich eine Serie Schüsse vernahm, achtete ich nicht weiter darauf, da es viele Jäger in der Gegend gibt. Dann kam ein militärischer uniformierter Radfahrer an mir vorbei, der mich kurz begrüßte. Etwas weiter entdeckte ich plötzlich frische Blutspuren auf der Straße und sah an der Waldgrenze im Graben zwei Fahrräder und das Kepi eines Gendarmen. Jetzt macht ich einige Schritte weiter und stand vor der Leiche des Gendarmen Triest. Zunächst pfiff ich dem Radfahrer, der aber nicht darauf hörte und seinen weg fortsetzte. In diesem Augenblick kam ein Landwirt aus Kalterherberg mit seinem Karren vorbei, den ich bat, solange bei dem Toten zu verbleiben, bis ich zwei Waldarbeiter geholt hatte, die in der Nähe Holz schlugen.
Später erzählte mir der Landwirt, dass der Radfahrer wieder zurückgekommen sei und, ohne anzuhalten seinen Weg wieder auf Elsenborn zu fortgesetzt habe.
Bald fand ich auch die Leiche des zweiten Gendarmen in der Nähe der Roer. Jetzt lief ich nach Elsenborn und alarmierte dort die Gendarmen, die sofort das Gericht von Verviers und den Doktor Orban von Büllingen antelefonierte."

Der Arzt konnte ohne die Stellung der Leichen zu verändern den eingetretenen Tod feststellen. Wachtmeister Triest lag auf der linken Seite und hatte den rechten Arm zum Kopf erhoben, sein Kamerad Ferriré lag auf dem Rücken und hatte die Beine zur Hälfte im Wasser der Roer hängen.
Triest wurde durch einen Stirnschuss getötet, während Ferriré zwei Schüsse durch den Mund erhalten hatte, die in das Gehirn gelangen, und er wies außerdem noch eine Schusswunde am linken Arm.

An der anderen Seite des Flusses fand man auch den Schäferhund, der den Wachtmeister Ferriré begleitete, am Fuße einer Tanne, erschossen vor. Dieser Hund hatte die Aufmerksamkeit eines weiteren Zeugen erregt, eines Mannes aus Leykaul bei Kalterherberg, der vorübergekommen war, als etwa 300 Meter von der Mordstelle entfernt die beiden Gendarmen zwei in belgische Uniform gekleidete Männer ausfragten. Er hatte sonst nicht viel auf dieses an der Grenze alltägliches Schauspiel geachtet und sich hauptsächlich für das Tier interessiert, das herumsprang.

Auch in der Nähe arbeitende deutsche Kriegsgefangene  sprachen darüber, und ein gefangener Offizier meldete, dass er ungefähr um die Zeit des Verbrechens mit einem aus der Richtung kommenden belgischen Soldaten auf einem Fahrrad gesprochen habe. Der Offizier kannte den Soldaten bei Namen. 
Der aus Elsenborn geholte Soldat, ein Flame, gab an, dass er kurz vor 9.00 Uhr an der Tatstelle vorbeigekommen sei. Dort habe er zwei mit Schmutz bedeckte Soldaten gesehen, die aus dem Dickicht kamen und ihn fragten ob er einen Schuss gehört habe. Der Soldat bejahte und erhielt die Erklärung: "wir haben einen Hund erschossen. Dann kletterten die beiden, ohne weiter etwas zu sagen, den bewaldeten Hang hinauf und verschwanden in Richtung auf das Lager zu.
Die Beiden sind ihm unbekannt.

Eine neue Spur

Der Kommandant von Sourbrodt meldete, dass der dortige Garagenbesitzer Willems ihm auf einen Fremden aufmerksam machte, der bei Delhaize am Bahnhof von Sourbrodt wohnt und der zuweilen Militäruniform, zu anderen Zeiten Zivilkleidung trägt. Sofort gehen Gendarmen nach Sourbrodt ab um den Fremden zu holen, kommen aber bald ohne ihn zurück.
Sie haben aber in einem Zimmer eine Handtasche mit Kleider und dem Namen René Van Loo-Brüssel gefunden.
Gendarmen und Zollbeamte machen sich auf, um alle Bauerhöfe der Gegend zu durchsuchen.

Hände hoch!

Etwa 400 Meter von der Mordstelle entfernt liegt der "Hof zum grünen Kloster", dessen Besitzer Cremer, angeblich gewohnheitsmäßig Schmugglern Unterschlupf bietet. Das Gehöff wird von der Gendarmerie eingeschlossen. Man geht mit Vorsicht vor, da man es allem Anschein nach mit Burschen zu tun hat, die sofort schießen werden.

Plötzlich hört man rufen: "Hände hoch!". 
Kurz darauf erscheint ein Zollbeamter und ruft: "wir haben sie"!
Dann sieht man einen Gendarmen, der einen großen Mann in einem Militärhemd und brauner Hose  mit der Pistole in Schacht hält. Man legt ihm die Handschellen an. Er ist der gesuchte Van Loo. Noch ein weiterer Verdächtiger findet sich, ein gewisser Goris aus Brüssel, der weißes Hemd und blaue Hose trägt und sich in Begleitung seiner Frau befindet.
Später hört man, dass es nicht die Mörder selber sind, dass sie aber der gleichen Schmugglerbande wie diese angehören.

Die Mordwaffe aufgefunden

Die Suche nach der Mordwaffe war schließlich von Erfolg gekrönt. Man fand in der Roer selbst eine deutsche 9schüssige Parabellumpistole. Vermutlich haben die Mörder damit die Gendarmen niedergeschossen, ihnen dann die Dienstpistole aus der Tasche gezogen und sie damit vollends getötet, um später die Waffen wegzuwerfen.

Van Loo gibt Auskünfte

Die drei Verhafteten wurden im Lager Elsenborn einem eingehenden Verhör unterzogen. Zunächst verhielten sie sich sehr schweigsam, bis sich Van Loo zum reden bequemte.
Er habe mit den beiden Mörder zusammen geschmuggelt. Sie hätten zusammen 40 Kilo Kaffee und 30 Kilo Tabak gehabt, hätten die Grenze nicht überschreiten können. Er selber und das Ehepaar Goris hätten sich von den beiden anderen getrennt, die eine andere Richtung einschlugen.

Noch ein Zeuge

Der beigeordnete Arrondissementkommissar Hoen ist ebenfalls mit seinem Wagen kurz vor 9.00 Uhr an der Tatstelle durchgekommen und hat gleichfalls die Gendarmen mit den beiden angeblich Militärs gesehen. Er beschreibt diese als einen großen und einem kleineren Mann, von denen der Große ein Abzeichen auf dem Ärmel trug.
Dem Zeugen wurden Van Loo und Goris vorgeführt, aber von diesem als nicht mit den vermutlichen Tätern identisch bezeichnet.

Die Verhafteten und die Mörder sind alle demobilisierte Soldaten, die im Lager Elsenborn lagen, und die ihre Ortskenntnisse nun zum Schmuggeln ausnutzten.

Die Namen der Mörder

Eine Belga-Meldung besagt: die Namen der beiden Mörder wurde bekannt gegeben: es sind André Traent und Joseph Vandenbossche, beide aus Brüssel.
Trotz aller Nachsuche und des systematischen Durchstöbern der Gegend hat man bisher noch keine weitere Spur der Verbrecher gefunden. Van Loo, der die Nacht vor dem verbrechen mit ihnen zusammen war, bestätigt, dass sie im Besitze einer Parabellumpistole sind.

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