Bütgenbach

Bütgenbach ist durch seinen See bis weit ins Landesinnere, aber auch über die Grenzen Belgiens hinaus bekannt geworden. Der Ort zählt mehr als 1.500 Einwohner und kannte seit den 70er Jahren, durch die um die Talsperre entstandenen Sport- und Freizeitanlagen, großen touristischen Aufschwung. Mittlerweile hat sich das Ortszentrum von Bütgenbach auch als gemeindeübergreifendes Geschäfts- und Handelszentrum in der belgischen Nordeifel etabliert. Zahlreiche Hotel- und Gaststättenbetriebe locken daneben Besucher aus Nah und Fern mit einem vielseitigen Angebot.

Der "Hof Bütgenbach" beherbergt ein Alten- und Pflegeheim mit gut hundert Betten. Die vom Verfall bedrohte Ruine wurde auf vorbildliche Art und Weise zu Beginn der 90er Jahre restauriert und umfunktioniert. Betreiberin des Alten- und Pfelegeheims ist die Interkommunale "VIVIAS" der fünf Eifelgemeinden Amel, Büllingen, Burg Reuland, Bütgenbach und Sankt Vith. Im vorderen Flügel der Anlage unterhält die Gemeinde multifunktionale Veranstaltungssäle für Ausstellungen, kleine Konzerte, Seminare, Konferenzen usw.

Dieses Dorf liegt praktisch zwischen zwei Hügeln, die in einem sanften Abhang im Warchetal zusammenlaufen. Das Dorfzentrum, für welches die Kirche steht, bietet noch viel Freiraum und ist ziemlich einheitlich und harmonisch.

Sehenswürdigkeiten

Burgruinen

Die Burg befand sich auf einer schmalen, von der Warche umflossenen Bergzunge. Ihre Geschichte ist eng mit der von Sankt Vith und Monschau verknüpft, weil hier während vielen Jahren dieselben Herrscher regierten. Ihr Bau geht auf das Jahr 1230 zurück. Als Erbauer gilt Walmram von Limburg, Herr über Monschau und Bütgenbach.

Zeichnungen lassen nur erahnen, wie imposant die Bütgenbacher Burg wohl gewesen sein muss. Jedenfalls galt sie in früheren Jahrhunderten als uneinnehmbare Festung; Heute deuten nur noch ihre Ruinen am Rande der Staumauer der Talsperre auf eine ereignisreiche Vergangenheit hin. Der ehemalige Wassergraben der Burg dient heute als Überlauf des Stausees bei Hochwasser.

Haus Kirch

Das frühere Haus Kirch diente kurzfristig den Alliierten Streitkräften während der Ardennen-Offensive im Winter 1944-45 als Hauptquartier, wo namentlich General Dwight D. Eisenhower, der spätere US-Präsident, für einige Tage weilte.

Eine Gedenktafel vor dem Gebäude erinnert an diesen berühmten Besucher der Ortschaft Bütgenbach.

Hof Bütgenbach

Der Hof von Bütgenbach, auch nach seinem letzten Besitzer "Steiner Hof" genannt, liegt im Zentrum der Ortschaft. Es handelt sich hierbei um eine vierflüglige Anlage aus hiesigem Bruchstein, die einen weiten Innenhof umschließt. In ihren wesentlichen Bestandteilen stammen die Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die Hauptfront befindet sich an der Ostseite. Dieser Ostflügel, der vornehmlich zu Wohnzwecken diente, hat an der rechten Seite einen imposanten Torbau aus dem Jahre 1754 und ist als geschütztes Denkmal eingetragen.

Da von der ehemaligen Burg auf einem Felsvorsprung an der Warche und von der gotischen Pfarrkirche nichts erhalten blieb, ist der Hof heute das älteste Bauwerk auf dem Gebiet der Gemeinde Bütgenbach. Urkundlich lässt er sich ins 15. Jahrhundert nachweisen.

Damals war es Lehngut der Grafschaft von Vianden und Sitz des Schultheißen. Spätere Eigentümer waren die Familien von Reiffenberg und von Baring, an die gut erhaltene Wappensteine von 1623 (Nordflügel) und 1754 (Torbau) erinnern.

Als im Zuge der Krankenhausreform aus dem Jahre 1987 das Bütgenbacher Krankenhaus nach hundertjährigem Bestehen geschlossen werden musste, einigte man sich auf Ebene der Eifelgemeinden darauf, ein Alten- und Pflegeheim in dem vom Verfall bedrohten Gebäude des "Hof Bütgenbach" unterzubringen und hierzu die baulichen Voraussetzungen zu schaffen.

1988 wurde die Interkommunale für das Sozial- und Gesundheitswesen der fünf Gemeinden Amel, Büllingen, Burg-Reuland, Bütgenbach und Sankt Vith dann Eigentümerin der Hofanlage mit Ausnahme des vorderen Flügels zwischen den beiden Torbögen. Dieser Teil blieb Eigentum der Gemeinde Bütgenbach und wird zu kulturellen Zwecken genutzt.

Die Grundsteinlegung des neuen Seniorenheims erfolgte am 27. September 1990.

Karmel

Die Karmelitten wurden am 4. Juli 1941 aus ihrem Mutterhaus in Pützchen bei Bonn ausgewiesen. Gemäß einer vorherigen Absprache mit den Vinzentinerinnen verbrachten sie die erste Zeit im Bütgenbacher Krankenhaus, wo man ihnen drei Räume zur Klausur freigemacht hatte. Hier unterstützten sie die Vinzentinerinnen bei der Krankenpflege und überall dort, wo ihre Dienste erwünscht waren.

Im Jahre 1946 zogen die Schwestern in die "Büllinger Straße" in Bütgenbach, und zwar in ein Haus, das man ihnen hilfsweise zur Verfügung stellte. Nachdem die Gemeinde Bütgenbach das ehemalige Wirtschaftgebäude der Domäne von der Elektrizitätsgesellschaft ESMA erworben hatte, wurde dieses im Jahre 1949 in eine ständige Bleibe für die Karmelitten umgebaut.

Ein Anbau erfolgte von 1973 bis 1974, und eine neue Kapelle wurde Beginn der 80er Jahre gebaut. Am 27. Dezember 1985 übergab man Franziskaner-Schwestern die Schüssel des Hauses, nachdem diese auf Bitte des Bistums vom Eupener "Klösterchen" nach Bütgenbach umgesiedelt waren. Sie erhielten den Auftrag, das Haus im Sinne der Karmelitten weiterhin als Gebetstätte zu erhalten

Der ehemalige Karmel gilt heute als Tagungshaus und Stätte der Stille und des Gebetes.

Sankt Stephanus Kirche

Auf kirchlichem Gebiet spielte der Ort Bütgenbach seit jeher eine bedeutende Rolle, denn hier stand die Pfarrkirche für die Gesamtpfarre, die damals 7 Ortschaften umfasste (Bütgenbach, Berg, Elsenborn, Faymonville, Nidrum, Sourbrodt und Weywertz).
In Bütgenbach stand die Pfarrkirche, der die Kapellen der anderen Ortschaften untergeordnet waren.

Die alte Pfarrkirche, die in verschiedenen Bauphasen (12. bis 18. Jh.) errichtet wurde, entsprach den Erfordernissen des 20. Jhs nicht mehr und fiel der Spitzhacke zum Opfer, nachdem im Jahre 1931, nach den Plänen des Malmedyer Architekten Cunibert ein neues Gotteshaus errichtet worden war.

Von der Ausstattung der ehemaligen Pfarrkirche blieben mehrere wertvolle Stücke erhalten. Zu erwähnen sind u.a. ein romanischer Taufstein aus dem 13. Jahrhundert, der mit vier Menschenköpfen versehen ist, ein gotischer Weihwasserstein von 1560, eine Kommunionbank aus Blaustein (18. Jh.), die Grabsteine des Jacob von Reiffenberg (1567) und des Johann Reinhard von Bulich (1593); eine Kölner Madonna aus dem 14. Jahrhundert und eine Monstranz aus dem 15. Jahrhundert.

Marktplatz

Der Marktplatz in Bütgenbach wurde in den 20er Jahren unter der Führung von Amtbürgermeister Kirch angelegt und bildet mit seinen hochstämmigen Randbäumen und üppigen Anpflanzungen, einem überdachten Kiosk sowie einer Minigolfanlage mit angegliedertem Kinderspielplatz das Herzstück der Ortschaft. Eine Büste des Bürgermeisters Kirch auf dem Marktplatz erinnert die Nachwelt an dessen Wirken.

Seit seiner Umgestaltung im Jahre 1993 ist der Marktplatz zum zentralen Punkt zahlreicher Veranstaltungen und Darbietungen geworden: Märke, Kirmesveranstaltung, Konzerte und andere Veranstaltungen organisierender örtlicher Vereinigungen.

Zu alten Zeiten erfüllte der Marktplatz in Bütgenbach aber auch noch andere Zwecke. Aufgrund der vorhandenen Feuchtigkeit hatte man hier einen großen Brunnen angelegt, der einen Durchmesser von 8 Metern hatte und umgangssprachlich als "Vennborre" (Vennbrunnen) bekannt war.

Talsperre

Die Bauarbeiten zum Anlegen einer Talsperre auf Betreiben der Elektrizitätsgesellschaft SERMA begannen im Jahr 1929, unter der Regie des italienischen Unternehmens OMODEO. Viele Gemeindebewohner fanden hier eine Möglichkeit, sich einen guten Nebenverdienst zu sichern. Bis zu 200 Arbeiter waren an manchen Tagen an den Bauarbeiten beteiligt und ein junger Italiener musste sein Leben lassen, als er von dem obersten Mauernteil in die Tiefe stürzte. Dies sollte jedoch der einzige Unfall mit tödlichem Ausgang bleiben.

Dem Bauwerk mussten keine Wohnungen oder gar Ansiedlungen weichen, dennoch mussten mehrere Wege umgeleitet werden. Die Hauptzufahrtsstraße von Bütgenbach nach Berg wurde umgeleitet und auch der Weg, der direkt vom Bahnhof über das Seegelände nach Berg führte, wurde durch eine neue Straße, die zum Brückenübergang führte, ersetzt.

Im Jahre 1932 wurde der Bau der Staumauer fertiggestellt und nur ein Jahr später nahm die Stromerzeugungszentrale ihren Betrieb auf. Neben der eigentlichen Zentrale befindet sich ein hydro-elektrisches Werk unterhalb zweier Gewölbe. Ein Gebäude dient als Maschinenraum und im anderen sind Transformatoren und elektrische Ausstattungsteile gelagert. Die jährliche Stromerzeugung beläuft sich auf  zirka 2 Millionen kW/h.

Im Jahre 1995 wurden umfangreiche Instandsetzungs- und Verschönerungsarbeiten an der Staumauer durch ELECTRABEL in Auftrag gegeben. Seitdem ist auch die Brückenüberfahrt für alle Kraftfahrzeuge gesperrt.

Weitere Instandsetzungsarbeiten am Fuße der Staumauer führten 2004 zu einer vollständigen Leerung des Sees.

Mit den 60er Jahren begann auch die touristische Nutzung des Stausees und seiner Ufer. 1968 beschloss der belgische Staat, ein ADEPS-Sportzentrum am See in Bütgenbach zu bauen. Bis zum Beginn der 80er Jahre entstand darauf in mehreren Bauphasen der Komplex des Sport- und Freizeitzentrums WORRIKEN, welches heute Eigentum der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist. Bütgenbach zählt damit unbestritten zu einer wichtigen touristischen Hochburg Ostbelgiens.

Der Bütgenbacher See ist auch Ausgangspunkt herrlicher Wanderwege.

Sankt Josef Krankenhaus

Das Sankt-Joseph-Hospital wurde am 14. September 1890 eingeweiht.

Der Orden der Vinzentinerinnen zeichnete verantwortlich für den Bau des Sankt-Joseph-Hauses. Zunächst sollte es eine willkommene Zufluchtstätte für die sozial schwächeren Mitmenschen sein.

Während der beiden Weltkriege wurde das Haus in ein Lazarett umfunktioniert und ab 1945 gewann das Gebäude durch die Ausdehnung der Aufgabenbereiche eine noch größere Bedeutung. Seitdem waren Krankenstation, Altenheim, Kindergarten, ambulante Krankenpflege, Nähschule und Sitz des Marienheims hier untergebracht.

Mit der Zeit lastete die finanzielle Last immer schwerer auf den Schultern des Ordens der Schwestern. Abhilfe wurde am 1. Juli 1977 durch die Gründung einer Interkommunalen für sozio-medizinische Anstalten durch die Gemeinden Bütgenbach und Büllingen geschaffen. Die wertvolle Aufbauarbeit der Vinzentinerinnen wird aber tief mit der Geschichte Bütgenbachs verwurzelt bleiben.

Der Orden und die Schwestern stellten am 28. Oktober 1984, nach 104-jähriger Tätigkeit im Dienste der Bevölkerung, ihre Tätigkeiten vor Ort ein. Die endgültige Schließung des Sankt-Joseph-Krankenhauses in Folge der landesweiten Rationalisierung der Krankenhäuser erfolgte in 1988. Das Gebäude ging in das Eigentum der Gemeinde durch Kaufvertrag über.

Zu Beginn der 90er Jahre wurde das leerstehende Gebäude dann vollständig abgerissen.