Nidrum

Bevorzugtes Ziel für alle, die urwüchsige, abwechslungsreiche Naturlandschaften suchen, sind seit jeher Elsenborn und Nidrum.

Nidrum liegt auf einer Art Hochebene, die langsam das Warchetal hinunterläuft. Wegen seinen weiten Grünflächen gibt es dort viel Freiraum, und der wenige Durchfahrtsverkehr verleiht dem Ort seine idyllische Ruhe.

Mit Elsenborn und Weywertz genießt die Ortschaft Nidrum übrigens bei tausenden Wintersportlern aus dem In- und Ausland seit Jahren einen hervorragenden Ruf.

Geschichte

Auf der Suche nach den Ursprüngen des Dorfes stieß man unverhofft auf das Wappen des Thomas de Nydrum. Im Zusammenhang mit der Ersterwähnung ist jener Thomas, der seinen Heimatort Nidrum um das Jahr 1430 verließ, nach Malmedy zog und dort Agnes d'Outrelepont heiratete, ein unumstößlicher Beweis für das Bestehen des Dorfes zu Anfang des 15. Jahrhunderts.

1405 gelang der Raum um Bütgenbach an das Haus Nassau-Oranien, wo er bis 1795 verblieb. Das Vermögen jeden Bewohners wurde abgeschätzt und besteuert. Es entstanden die sogenannten Feuerstättenverzeichnisse.
Dem ältesten Feuerstättenverzeichnis aus dem Jahre 1501 zufolge bestand der Hof Bütgenbach aus vier Dörfern und zwar:

  • Elsenborn (14 Feuerstätten)
  • Bütgenbach (17)
  • Weywertz (14)
  • Nidrum (14)

Im Jahre 1552 zählte man insgesamt 162 Haushalte. Nidrum, an den Hängen des Hohen Venns gelegen, konnte als eine für die damalige Zeit bedeutende Siedlung angesehen werden und zählte zu den bevölkerungsreichsten Ortschaften des Hofes Bütgenbach, der mittlerweile aus 7 Dörfern bestand {mit Uffenberg (Berg), Ussembart (Faymonville) und Evershyt (Sourbrodt)}.

Unter preußischer Führung bis 1850 hatten die einzelnen Orte noch kein besonderes Ratskollegium. Sie waren durch einen oder mehrere Schöffen im Gesamtgemeinderat vertreten. Wenn auch die einzelnen Orte sich allmählich selbstständig machten und ihre eigenen Angelegenheiten wie Wegeunterhalt, Feldhut, Weidegangsregelung, Abgaben für Gemeindenutzungen und anderes mehr selbst besorgten, so verhandelten die Behörden, wie der Landrat und die Aachener Regierung, doch nur mit dem Gemeinderat Bütgenbach und diesem allein stand in allen Dingen die Beschlussfassung und Weiterleitung der Beschlüsse höheren Ortes zu.

Eine weitgehende Änderung der kommunalen Verhältnisse brachte die Landgemeindeordnung für die Rheinprovinz vom 3. Juni 1845. Als Prinzip galt, dass jede Ortschaft eine eigene Gemeinde darstellte, die einen Gemeinderat, einen Ortsvorsteher und einen Haushalt hatte. Nach dieser Regelung entstand in der Bürgermeisterei Bütgenbach u.a. die Ortsgemeinde Nidrum.

Dies endete bekanntlich mit dem Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 und durch Dekret vom 13. Oktober 1921, wonach zum 1. Januar 1922 die belgische Gesetzgebung für diesen Raum in Kraft trat.

Am 15. Februar 1922 wurde in Elsenborn im Rahmen einer Sitzung der Gemeinderäte Elsenborn und Nidrum ein stellvertretender Bürgermeister, zwei Schöffen, ein Gemeindesekretär und ein Gemeindeeinnehmer nach belgischem Gemeindegesetz gewählt.

Am 10. Mai 1940 marschierten deutsche Truppen in Belgien ein und bereits am 19. Mai 1940 wurde Eupen - Malmedy wieder ins deutsche Reich eingegliedert. Nach dem Krieg und der Wiederangliederung des Gebietes an Belgien wurde das politische Leben wieder demjenigen der Vorkriegszeit angepasst: Nidrum gehörte nun wieder zur Gemeinde Elsenborn.

Später in 1977 folgte dann die Einverleibung der Gemeinde Elsenborn mitsamt der Ortschaft Nidrum in die neue Großgemeinde Bütgenbach.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrgeschichte

Wenn Nidrum die Abhängigkeit vom Hof Bütgenbach verringern, bzw. seine Eigenständigkeit fördern wollte, wenn die Unterweisung der Kinder und Jugendlichen den Nidrumern am Herzen lag, wenn das Fehlen eines eigenen Gotteshauses mit einem eigenen Geistlichen von den Bewohnern oft als lästig und besonders nachteilig für die heranwachsende Jugend betrachtet wurde, dann mussten eine Kapelle und ein Vikarhaus her, beides Voraussetzung, um einen Geistlichen zu "dingen", wie man damals sagte.

Am Freitag, dem 27. September 1720 erteilte das Kölner Vikariat dem Pfarrer von Büllingen die Erlaubnis, die jüngst zu Nidrum auf Kosten der Bewohner erbaute Kapelle zum Heiligen Kreuze und den Heiligen Drei Königen in einfacher Form zu segnen.

Diese war von bescheidenen Maßen. Es war ein unverputzter, einschiffiger Bruchsteinbau, der im Lichten 10,40 m lang und 7,55 m breit war und an jeder Seite drei Rundbogenfenster hatte. Gedeckt war die Kapelle mit Ziegeln.

Zu unbekannter Zeit fand dann ein Wechsel in der Reihenfolge der Patrone statt. Die Heiligen Drei Könige wurden zu Hauptpatronen erhoben, sodass seitdem das Kirchweihfest auf den Sonntag von oder nach Drei Könige (6. Januar) fiel und die Klein-Kirmes Anfang Mai abgehalten wurde.

Es versteht sich von selbst, dass der Geistliche seinen Wohnsitz im Ort nehmen musste. Schon früh ist den Nidrumern ein Vikarshaus bezeugt. Darin befand sich auch ein Schulraum. Dieses erste Vikarshaus im Bereich der früheren alten Schule (im Nordwesten der Kirche gelegen) war im Jahre 1774 so baufällig, dass es am 24. Januar des genannten Jahres während der Messe (vielleicht unter der Schneelast) zusammenstürzte.

Erst um das Jahr 1830, als die einzelnen Gemeinden besondere Schulgebäude errichteten, fügte Nidrum dem Vikarshaus ein neues Klassenzimmer hinzu. Doch nun kam bald die Zeit, wo der Nidrumer Lehrer eine eigene Wohnung erhalten sollte. Die Gemeinde wollte ihm das bisherige Vikarshaus überlassen, sobald für den Vikar eine neue Wohnung fertig gestellt sei.

Am 21. Dezember 1857 schenkte nun Johann Peiffer aus Nidrum der Kapelle sein Wohnhaus mit Stall, Scheune, Bering und Garten sowie eine angrenzende Wiese für den Bau eines neuen Vikarshauses, eine Lage, die sich wegen der Nähe zur Kirche vorzüglich als künftiger Wohnsitz des Geistlichen eignete.

 Am Freitag, dem 27. Oktober 1730 erteilte das Kölner Generalvikariat die Erlaubnis zur Segnung einer kurz vorher gegossenen Glocke.

Obschon der Kirchturm aus dem Jahre 1861 stammt, gab die Gemeinde erst 1884 drei neue Glocken in Auftrag.

Am 2. April 1922 bestellte der Kirchenvorstand drei neue Glocken, die nur rund zwanzig Jahre dienen durften, bevor sie in Folge Einwirken des Zweiten Weltkriegs nach Hamburg verschleppt wurden.
1950 wurden zwei neue Glocken gegossen. Sie sind vom Klang und vom Gewicht den früheren Glocken gleich.
Es sei noch bemerkt, dass das Ministerium für öffentliche Arbeiten im Rahmen der Wiedergutmachung der Kriegsschäden alle diesbezüglichen Kosten übernahm.

Die Russengräber

Während des strengen Winters 1941-1942 kam es zu außergewöhnlichen Schneefällen, unter deren Last viele Bäume im Wald brachen und somit dort großer Schaden entstand. Bedingt durch die Kriegsverhältnisse mangelte es überall an Arbeitskräften, sodass sich die Forstverwaltung entschloss, in den Distrikten Sourbrodt und Küchelscheid russische Gefangene einzusetzen.

Bei Sourbrodt vor dem Waldgelände "Troupa" wurde ein Lager zur Aufnahme von 52 russischen Arbeitskräften eingerichtet, die dort am 3. Juli 1942 eintrafen. Die körperliche Verfassung dieser Menschen war denkbar schlecht, und es mussten Fuhrwerke angeheuert werden, weil viele nicht imstande waren, den Weg vom Bahnhof bis zum Lager zurückzulegen.

Die Versorgung erfolgte durch die umliegenden Dörfer sowie die Molkerei Büllingen, sodass sich der Gesundheitszustand der Gefangenen rasch besserte. Die Arbeit in den Wäldern und die sonntägliche Freizeit bestimmten während zwei Jahren den Lebenslauf der Gefangenen. Der Steinbruch in der Nidrumer Heck war schon länger Begräbnisplatz für Kriegsgefangene des Lager Elsenborn; hier hatten bis Ende des Zweiten Weltkriegs zahlreiche russische Soldaten eine vorläufige letzte Ruhestätte gefunden.

Am 12. November 1947 verkündete der Gemeinderat, dass diese Toten auf dem Friedhof von Nidrum beerdigt würden.

Im Jahr 1996 erfolgte eine weitere Umbettung der Gräber und die Einweihung eines Denkmals zu ihrem Gedenken. Die Gräber, es sind insgesamt 30, sind schlicht und einfach. Die Inschrift lautet: UNBEKANNTER SOVJET-BÜRGER, KRIEGSGEFANGENER, KRIEG 1941-1945